Ortsteil Angern

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OT Angern Gemeinde Angern

Lage
Angern liegt am Rande der Colbitz - Letzlinger - Heide im nordöstlichen Landkreis Börde. Rogätz, Sitz der zuständigen Verbandsgemeinde "Elbe – Heide“, ist ca. 4 km in südöstlicher Richtung entfernt. Die Alte Elbe grenzt ca. 3 km in östlicher Richtung.

Verkehrsanbindung
Zwischen Angern und Rogätz befindet sich ein Haltepunkt der Deutschen Bahn (Magdeburg - Stendal). Busverbindungen bestehen nach Wolmirstedt, Rogätz, Zielitz, Bertingen und Wenddorf.

Das historische Angern
In all den genannten Urkunden wird das Dorf Angern kaum, nur als Zubehör des Schlosses erwähnt. Die ersten geschichtlich bekannten Bewohner dieser Gegend waren die Angeln. Ob der Name des Ortes allerdings auf dieses Volk zurückgeht, wie Danneil annimmt, wird von anderen Autoren bezweifelt. Eine andere Deutung des Ortsnamens leitet sich von "Anger" = Wiesengrund ab, was der Lage des Dorfes an einem Bachlauf entspricht. Spuren einer Besiedlung stammen bereits aus der Jungsteinzeit. Das belegen Bodenfunde aus der Umgebung des Dorfes. Die älteste Sammlung von Bodenfunden hatte Graf Fritz von der Schulenburg angelegt, die später in das Heimatmuseum in Wolmirstedt gebracht wurde.

Die Gründung des Dorfes Angern ist durch schriftliche Zeugnisse nicht belegt. Die Herren von der Schulenburg erklärten 1685 bei der Auseinandersetzung mit dem Großen Kurfürsten, Kaiser Otto habe das Gut Angern der Kirche zu Magdeburg geschenkt und es sei "nachher in ein Schloss und Amt verwandelt" worden. Eine Schenkungsurkunde existiert aber nicht. Bereits 1160 wird ein Theoderich von Angern erwähnt, von dem man annimmt, dass er im Gefolge des Markgrafen Albrecht des Bären in die Altmark gekommen sei und in Angern einen festen Edelhof besessen habe. Nach 1217 taucht wiederholt ein Heinrich von Angern in den Urkunden des Klosters Hillersleben auf.

Die Gegend um Angern gehörte damals noch zur Altmark. 1196 verkauften die Markgrafen Otto II. und Albrecht II. die Altmark und andere Erbgüter an den Erzbischof Ludolf von Magdeburg, der ihnen diese Güter danach als Lehen zurückgab. Daraus entstand ein fast hundert Jahre andauernder Streit zwischen Brandenburg und Magdeburg. 1336 erneuerte der Erzbischof die Belehnung der Markgrafen mit den erzbischöflichen Gütern in der Altmark, wobei aber Wolmirstedt, Alvensleben, Rogätz, Angern und die Grafschaft Billingshoch (südlich der Ohre gelegen) ausdrücklich als Besitzungen des Erzstiftes Magdeburg anerkannt wurden. Der Markgraf Ludwig der Bayer verzichtete für sich und seine Nachkommen auf diese Orte. Dies ist zugleich die erste urkundliche Erwähnung des Ortes. Zur Sicherung seiner Ansprüche in Angern ließ Erzbischof Otto von Magdeburg hier 1341 ein festes Schloss in Form einer Wasserburg auf einer künstlich geschaffenen Insel anlegen. Es ist nicht klar, ob es sich dabei um einen Neubau handelte, da bereits 1336 eine Burg in Angern erwähnt wird, so dass eventuell eine bereits vorhandene Anlage erweitert oder verstärkt wurde.

1341 war die Burg im Besitz des Gerlof von Brunhorcz, der wahrscheinlich ein brandenburgischer Vasall war. 1370 werden Lüdecke von Grieben und mit ihm gemeinsam zwei Söhne des Ritters Jakob von Eichendorf mit dem Haus Angern belehnt. 1373 besaß dann Gebhard von Alvensleben, genannt von Klötze, das Schloss als Pfand oder als Lehnsgut. Durch Raubüberfälle machte er sich die Magdeburger zu Feinden, die 1381 oder 1382 mit Übermacht anrückten und die Burg belagerten. Erst 1384 gab die Stadt Magdeburg Schloss Angern zurück.

1448 wurden die Brüder Busso, Bernd und Mathias von der Schulenburg mit Schloss Angern und allem Zubehör "zu rechtem männlichen Lehen" beliehen. Das Lehen wurde 1477 erneuert und 1567 durch den Administrator Joachim Friedrich von Brandenburg auch auf die schwarze Linie, also auf das gesamte Geschlecht der von der Schulenburg, übertragen. Das bedeutete, dass der Besitz nicht wieder an den Erzbischof zurückging. Damit blieb Schloss und Gut Angern durchgängig fast fünfhundert Jahre, bis 1945, im Besitz dieser Familie, die maßgeblich die Entwicklung des Dorfes prägte. Bedeutender Vertreter war Christoph Daniel von der Schulenburg, der nach einer erfolgreichen Militärlaufbahn seinen ständigen Wohnsitz nach Angern verlegte und die alte Wasserburg von Grund auf verändern ließ.

Ein bedeutendes Ereignis für die Region war der Bau der Eisenbahn. Im Herbst 1847 erreichte der Eisenbahnbau auch Angern. In Angern wird erzählt, dass der Bau des Bahnhofs eigentlich in der Nähe des Dorfes, wahrscheinlich auf der Schlossbreite, geplant gewesen sei, Graf von der Schulenburg aber kein Land an die Eisenbahngesellschaft verkaufen wollte und deshalb ein anderer Streckenverlauf gewählt werden musste. Im Jahre 1900 wurde der unter dem Namen "Vorwerk Angern" bekannte Gutshof des Gutsbesitzers Heinrich Braumann der Name "Johannenhof" beigelegt. Anfang 1913 stellte die Gemeinde Rogätz den Antrag, den Bahnhof Angern in Angern-Rogätz umzubenennen. Nach dem Krieg hatten zahlreiche Einwohner aus Angern und Rogätz in den Magdeburger Großbetrieben Arbeit gefunden. Die „Arbeiterzüge“ waren stets überfüllt. Nach der Wende stiegen viele auf das Auto um bzw. haben ihren Arbeitsplatz in der Region verloren. Im November 1996 stellte die Deutsche Bahn den Schalterbetrieb ein. Inzwischen steht das Bahnhofsgebäude völlig leer.

Bis 1907 waren die Straßen in Angern ohne offizielle Namen. In einer Gemeinderatssitzung wurden die Namen vergeben, die mit einer Ausnahme die Straßen heute noch tragen. Die Dorfstraße erhielt den Namen "Alte Dorfstraße", der Weg am Alten Friedhof entlang "Feldstraße", die bisherige Trift wurde die "Breite Straße", der Winkel bekam den Namen "Colbitzer Straße", die nach Mahlwinkel führende Straße hieß nun "Vogelgesang", die an der Sandbeiendorfer Chaussee liegende Straße von den Kaisereiche an "Chausseestraße", die nach der Kastellmühle führende "Bruchstraße" und der lustige Haspel "Brüderstraße". Jede Straße erhielt besondere Hausnummern. Von diesen Straßen wurde nur die Breite Straße umbenannt. Nachdem sie von 1933 bis 1945 Adolf-Hitler-Straße geheißen hatte, erhielt sie zunächst ihren alten Namen wieder und wurde 1950 Friedensstraße genannt.

In den 30er Jahren setzte eine lebhafte Bautätigkeit in Angern ein. Die Chausseestraße und die Bruchstraße wurden verlängert, völlig neu entstanden die Hauptmann-Loeper-Straße, die heutige Neue Straße. Es war auch eine größere Arbeitersiedlung mit etwa 40 Einfamilienhäusern an der heutigen Straße "Am Weinberg" und an einer parallel dazu verlaufenden neuen Straße geplant. Die Ausführung wurde durch den Krieg verhindert. In der Nacht zum 16. Juni 1943 fielen drei Bomben an der Straße Angern - Sandbeiendorf, davon traf eine die Straße, etwa in der Kurve, wo der Weg zum Söpdiek abgeht, die anderen gingen rechts und links davon in den Wald. So kam es in den Kriegsjahren noch zu weiteren Zwischenfällen.

Nach dem Krieg wurde im Herbst die Bodenreform durchgeführt und die enteigneten Betriebe an Neusiedlern und landarme Bauern aufgeteilt. Bis 1948 entstanden die Neubauernhäuser. 1952 wurden die Länder der DDR als Verwaltungseinheiten abgeschafft. Aus dem Land Sachsen-Anhalt wurden die Bezirke Magdeburg und Halle. Gleichzeitig wurden auch die Kreise neu geordnet. Aus Teilen der Kreise Wolmirstedt, Stendal und Gardelegen wurde der neue Kreis Tangerhütte gebildet. Angern war das größte Dorf dieses Kreises. Im gleichem Jahr erhielt Angern ein Jugendheim. 1952 wurde ebenfalls eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, Typ III, gegründet.

In den Nachkriegsjahren erlebte das Vereinsleben eine neue Blüte, so wurde z.B. 1953 ein Karnevalsverein ins Leben gerufen, der leider 1960 schon ein frühes Ende fand. 1963 wurde die Badeanstalt auf dem Gelände der alten Kastellmühle eingeweiht. Hatten anfangs auch noch einige über "Frickes Modderloch" gespottet, so entstand in den folgenden Jahren ein richtiges Schwimmbad mit festen Seitenwänden und einem Sprungturm. Die Eröffnung der Badesaison wurde alljährlich mit einem Volksfest gefeiert. Eine Gaststätte sorgte seit 1965 für das leibliche Wohl. 1972 wurde die Anlage gründlich erneuert. Trotz vieler Bemühungen erwies sich das Fehlen einer festen Zufahrtsstraße als Nachteil. Im Sommer 1993 war die Gaststätte bereist völlig verwüstet. Im November 1989 bekundeten auch die Einwohner von Angern ihren Willen zu den politischen Veränderungen. Die wichtigste Veränderung im Leben der Gemeinde stellte in dieser Zeit die Gründung der Verwaltungsgemeinschaft dar.

Am 3. Oktober 1992 schlossen sich die Gemeinden Angern, Bertingen, Burgstall, Mahlwinkel, Rogätz, Sandbeiendorf und Wenddorf zur VG „Südliche Altmark/Elbe“ zusammen mit dem Verwaltungssitz in Angern. Da das Verwaltungsamt in Angern zu klein wurde, hatte Rogätz mit einem eigenen Gelände, dem ehemaligen KfL-Internat, die besseren Karten und der Sitz wurde nach Rogätz verlegt.

1993 schlossen sich die Altkreise Haldensleben und Wolmirstedt zum Ohrekreis zusammen. Kreisstadt wurde das 36 km entfernte Haldensleben.

Am 1. Januar 2005 ging die alte Verwaltungsgemeinschaft in die Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Heide auf.

Das heutige Angern
1997 wurde die Gemeinde in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. Die Fördermittel wurden hauptsächlich zur Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt. Gegenüber der Schule wurde mit dem Bau von Einfamilienhäusern begonnen. In wenigen Jahren wuchs ein schmuckes Neubauviertel in der Teich- und der neuen Gartenstraße.